Edinburgh
Da ist sie wieder…
So eine kleine Vorwarnung, das wird ein langer Eintrag. Wer sich nicht durch alles durchquälen will, dem sei gesagt: es hat mir unsagbar gut gefallen und ich will unbedingt eine Schottlandtour machen. Schottischer Akzent ist echt heiß und Edingburgh ist eine der schönsten Städte, die ich je gesehen hab.
Und jetzt mal von Anfang an: Der Treffpunkt war am Freitag 7.15 aufm Campus. Ganz nach Erasmustradition sind wir schon nach 45 Minuten Verspätung losgekommen. Ich war schon total fertig, als wir losgefahren sind. Es war wohl nicht die beste Idee bis 3.30am das Buch für mein Seminar am Montag zu Ende zu lesen, aber so hatte ich wenigstens kein schlechtes Gewissen. Naja, die Busfahrt war sehr sehr sehr lang, aber das nimmt man gern in Kauf, wenn man die schöne Landschaft anschauen kann. Wir sind nämlich durch das komplett überflutet Lake District gefahren. Wenn man mal kurz die extrem reißenden Strömungen quer durch Land und Städte ignoriert, dann ist der Lake District einer der schönsten Flecken Erde ever. Riesige runde Hügel mit Schafen drauf. Konnte leider keine Fotos machen, also müsst ihr mir einfach mal glauben.
Nach ein bisschen mehr als 8 Stunden Fahrt waren wir dann in Edingburgh. Leider war es schon dunkel, deshalb hat man nicht soviel gesehen. Doch die angestrahlte Burg auf dem Hügel mitten in der Stadt sah trotzdem phänomenal aus. Unsere erste Handlung nachdem wir unser sehr zentrales Hostel bezogen hatten, war die Suche nach Nahrung. Maren war zum Glück schonmal in Edingburgh, vondaher hatten wir den Insiderbonus. Wir haben uns mal richtig was geleistet und sind Indisch essen gegangen. Ich war begeistert, wie jedes Mal. Achja, das Hostel hieß Caledonian Backpackers und war ganz nach meinem Geschmack. Hostelsauber, verwirrend bunte Wandbemalungen und in der Bar unten lief die ganze Zeit sowas wie Babyshambles, Libertines oder the Offspring. Außer an einem Morgen da kam Scooter… und das zum Frühstück. Es gab nen Billardtisch und die Zimmer waren halt hostelmäßig. Es gab natürlich genug Leute, die es nicht zufriedengestellt hat. Aber das ist wohl immer so. Reiche Eltern und Privatschule machen einen Menschen wohl eher nicht zu nem Festivalgänger und Alternativtouri. Aber egal, ich war in einem 12 Mann Zimmer und neben Maren, Christina,Emilie, Chiara, Marina waren noch Italienerinnen. Ich fand alle total nett und hab auch ein paar sehr interessante Gespräche über das Leben im italienischen Sinne führen können. Außerdem war ich von der italienischen Tradition nach ner langen Clubnight sich nochmal an den Tisch zu setzen und erstmal Kekse zu essen und zu quatschen total begeistert. Auch wenn ich zugeben muss, dass es gewöhnungsbedürftig ist, von lautstark italienisch redenden Personen geweckt zu werden. Da muss man dann doch mal überlegen, wo man eigentlich grad ist. Aber ich hab sie trotzdem lieb…
Am ersten Abend sind die 167 Erasmusmenschen ins Three Sisters geströmt. Diese Bar/Club war ganz nett, aber halt auch wie jeder Club, in den die Erasmussociety geht. Es kam House und Electro. Es waren viele betrunkene Menschen da und es gab recht teure Getränke. Aber wenn man das mal ignoriert, kann man da recht viel Spaß haben. Ich hatte jedenfalls ne gute Zeit und es war ein schöner Start ins Wochenende mit all den mehr oder weniger bekannten Erasmuspeople.
Lustig fand ich aber vorallem den Fernseher über der Tanzfläche auf dem die ganze Zeit Nachrichten liefen. Es war etwas bizarr, die ganzen gutgelaunten tanzenden Menschen unter Überflutungen im Lake District und afrikanischen Männern mit Maschinengewehren zu sehen. Wahrscheinlich war ich aber eh die einzige, die den riesigen Bildschirm wahrgenommen hat.
Nach dem Three Sisters ging es dann ins Po Nana, eine von Edinburghs besten Adressen an nem Freitag Abend. Ich fand es ganz nett, aber es war halt wieder eine Erasmussocietyadresse ähnlich wie oben. Nach einigen lustigen Stunden bin ich dann mit meinen italienischen Mitbewohnerinnen zurück. Maren, Christina und Emilie wollten noch etwas länger bleiben, aber ich hatte genug “Musik und Tanz” für den Abend. Der Rückweg mit den Italienerinnen war aber auch ganz lustig. Frauen, die versuchen in einer fremden Stadt nach einigen Bieren einen Stadtplan zu lesen. Wir sind aber unerwarteterweise ohne Umwege angekommen.
Samstag sind wir nach dem Frühstück ein wenig rumgelaufen bevor es dann ins Dungeon ging. Wir haben die Universität gefunden und ein paar wunderschön verwinkelte Gassen. Ich war hin und weg. Auch die Souvenirstände haben mir gefallen, was für mich echt untypisch ist. Aber da gab es soviel tolles sinnloses Zeug: ein Dudelsackschlüsselanhänger, der wirklich Musik spielt, Kilts, Whisky, Mehrzahl von Schal, Ringe und ein Highlight… wait for it… ne CD von den Red Hot Chily Pipers. Mein erster Eindruck von Edinburgh hat sich auch komplett erhalten: eine tolle Stadt, bei der hinter jeder Ecke ein weiteres tolles sehenswertes Monument erscheint. Super fand ich auch die Dudelsackspieler die überall auftauchten, auch wenn ich dadurch die ganze Zeit Auld Lang Syne als Ohrwurm hatte.
Das Dungeon war wie erwartet. Recht unterhaltsam, ein bisschen gruselig und ziemlich populär gestaltet. Zum Glück war es nicht so gruselig wie das in London. Ich find es aber echt ne schöne Idee Menschen auf diese Art und Weise Geschichte beizubringen. Über gruselige Gestalten in Edinburgh hab ich jedenfalls viel gelernt. Am tollsten war aber das Ende. Nachdem wir unsere Gerichtsverhandlung hatten wurden uns nochmal unsere Recht vorgelesen und dann gings zum Henker. Das wurde durch eine “Freier Fall”-maschine dargestellt. Man fuhr erst hoch, es wurde einem die Anklage vorgelesen und dann fiel man, als wenn man wirklich gehängt wurde. Super Idee. Das einzige was mir am Dungeon nicht gefallen hat, war das lange Warten bevor alle da waren und bevor es anfing. Das war aber eher Schuld der Erasmussociety. Richtig genervt war ich aber von den vielen Leuten, die die ganze Zeit gemeckert haben und sich beschwerten über das Dungeon. “Es ist überhaupt nicht gruselig.. blablabla… ich hab mir mehr darunter vorgestellt… warum hab ich für diesen Scheiß soviel Geld ausgegeben…” Meine Meinung: Entweder du liest dir vorher mal durch, was ein Dungeon ist und zahlst dann dafür oder du hältst einfach die Schn…
Naja, danach haben wir uns mit der Maren getroffen, doe während wir im Dungeon waren, auf einen historischen Berg geklettert war, und dann gab es erstmal Fish&Chips. Anschließend sind wir dann die Royal Mile runtergelaufen. Am Ende war dann das wunderschöne Holyrook und das neue Paliament. Mir gefiel natürlich der historische Sitz der Queen besser als das neumoderne graue Architekturwunder. Ich hab mich übrigens zweimal auf diesem Spaziergang verliebt. Einmal in einen Ring und dann in Arthur’s Seat(ein wunderschöner kleiner Berg). Begeistert war ich auch davon, dass ich endlich wieder mal Fudge essen konnte. Nichts geht über dieses Zuckerschock… nicht mal Cola.
Am Nachmittag hatten die Dungeonleute dann eine Stadtführung. Unser “Führer” hieß Ronnie und hatte den süßesten Akzent ever. Er hat das echt gut gemacht. Geschichte und lustige Anekdoten und Gruselgeschichten. Die Führung ging 3 Stunden und niemand(ja wirklich) hat sich beschwert oder rumgeningelt, obwohl es kalt und nass war. Wir sind erst an den wichtigen historischen Punkten in der Royal Mile vorbei und dann auf den Firedhof, vor dem Bobby sitzt. Besonders cool war es, weil es schon dunkel war und so die Gebäude noch viele monumentaler aussahen und der Friedhof noch gruseliger. Ich hab auch das Haus und das Cafe gesehen, in dem JK Rowling HarryP geschrieben hat. Außerdem hab ich während der Führung einen fried Mars Bar probiert. Sieht eklig aus, schmeckt aber toll. Salzig und süß auf einmal. Aber ich konnte nur zweimal abbeißen, weil es echt ganz schön deftig ist. Die Club Mate der Schotten ist übrigens Irn Bru. Ein giftig orangenes Getränk, dass unsagbar doll nach Gummibären schmeckt. Ich hab nur mal dran genibbt, aber viele waren total begeistert davon und es fiel der Satz “man gewöhnt sich dran”.
Die Führung hat mir jedenfalls richtig richtig gut gefallen. Ich werd euch zu Hause dann bestimmt mit dem vielen unnützen Wissen überschütten, was ich neu hab. Nach der Führung waren Maren, Christina, Chiara, Emilie, Julian und ich noch in der Filling Station. Sehr nettes Lokal mit amerikanischer Einrichtung. Mich hat es an Grease oder Pulp Fiction erinnert. Danach trafen wir dann die anderen Erasmuspeople in der Tronbar. Dort bin ich dann auch den ganzen Abend geblieben, weil die Musik nach meinem Geschmack war, das Bier geschmeckt hat,Fussball lief und es genug lustige Leute zum Beobachten gab. Der Großteil ist aber noch in nen Club gegangen. Doch ich hatte halt keine Lust auf immer wieder die gleichen Menschen, die gleichen Balzrituale und die gleiche schreckliche Musik.
Sonntag ging es dann ins Castle. Natürlich mussten wir vorher wieder ne Stunde warten, bis alle fertig und zusammen waren. Das hat uns alle ziemlich genervt. Das ständige Warten macht einen echt mürbe.
Das Castle fand ich sehr schön und riesig. Ich hab sogar die schottischen Kronjuwelen gesehen und the Stone of Destiny. Den hab ich besonders gern. Wer Lust hat, kann ja mal nach der Geschichte suchen und vorallem wo er 1950rum geklaut wurde und das Ereignis wo “mission impossible” gespielt wurde. Ich hab sehr doll lachen müssen. Nach dem Schloss sind wir dann in nen Pub eingekehrt. War ja Sonntag!!! Ich hab mal bei den anderen Haggis probiert, während ich schottischen Lachs aß. Haggis ist echt ziemlich lecker. Ein bisschen wie Hackbraten. Wir haben uns auch mal ein Dessert gegönnt. Ich hatte Apple Rhubarb Crumble… wunderbar. Doch für die Schokfans unter euch wäre der Chocolate Fudge Cake wohl die Offenbahrung gewesen. Nach diesem Essen war uns allen schlecht, deshalb war ein Spaziergang angesagt. Nachdem wir noch mal zum Fuße des Arthur’s Seat sind, mussten wir auch schon zum Hostel zurück sprinnten und dann ging es zurück. Leider hat die Rückfahrt echt ewig gedauert, weil wir erstmal noch zu dem anderen Hostel mussten(einige unglückliche mussten nämlich in nem andern hostel wohnen, was echt weit draußen war. die taten mir echt leid, weil das nicht fair ist, dass sie somit bus und taxifahren mussten, um in die stadt zu kommen). aber das hat uns gar nicht so lang aufgehalten. doch da der lakedistrict ja überflutet ist,waren einige straßen unbefahrbar und auf manchen strecken musste man sehr sehr langsam fahren. Wir waren dann gegen halb 2 aufm Camus und ich war 15 minuten später total fertig im Bett.
Achja, was ich noch vergessen hab. Dieses We war ein großes Rugbyspiel in E, deshalb hatten wir das Glück gaaanz viele betrunkene Schotten im Kilt zu sehen. Das war schon n Anblick, den man nicht jeden Tag bekommt.
So zur visuellen Unterstützung noch ein paar pics.
So, jetzt reichts…
Machts gut, die Katrin
PS: Hab mir den Ring übrigens gekauft. Er ist aus Silber und es ist die Scottish Thistle mit einem Aquamarine, weil ich ja im März geboren bin. Laut Wikipedia ist die Distel ein keltisches Symbol mit einigen Bedeutungen. Könnt ihr ja da mal nachlesen. Ich fand vorallem die Ursprungsgeschichte mit dem barfüßigen Viking lustig.









































Bild: Christopher (D), Dan (Cz), Christina(D) und Joacim(Sweden).






Kultur hab ich da auch gesehen:
Naja, abends ging es dann zu Anja nach Leamington schließlich war ja Halloween. Bei ihr zu Hause war es sehr schön. Sie hat sogar Stuck an der Decke und nen Balkon zur Promenade und nen begehbaren Kleiderschrank. Wir haben schön Pizza gemampft und Strongbow getrunken und dann gings ins Mumbai Bluu, ein Club. Die Musik war phänomenal. Das beste aus den letzten 20 Jahren an Techno, Trash, House und Scheiß. Es kam sogar Blue Dabedi… Naja, für ein paar Stunden kann man auch dazu Spaß haben. Ich hatte sogar mal hohe Schuhe an. Ja, es hat mich fast umgebracht, aber ich sah gut aus. Deshalb ist auch so n Typ auf mich drauf gefallen, als ich auf so nem Sofa saß. Nur weil er schon mal fast auf mir drauf liegt heißt das noch lange nicht, dass er mich küssen sollte!! Süß war aber, dass ne Freundin von ihm neben mir saß, weil sie ihren Highheelfüßen ne Verschnaufpause gönnen wollte und die ganze Zeit auf mich eingeredet hat: Das ist übrigens … Sonst ist der voll schüchtern und total nett. Naja, im großen und Ganzen war es echt ein schöner und lustiger Abend. Happy Hallween.